Torsten Matzak

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2012: In aller Veränderung wohnt etwas Neues inne

Dieses Jahr habe ich mich entschlossen, noch einmal nach Mallorca zu fliegen. Dort bin ich im Nordosten nach Cala Rajada gelandet – trotz einiger unschöner Neubauten gerade am Hafen ein wundechöner Ort. Wenn mir dies letztes Jahr jemand gesagt hätte, hätte ich ihn sicherlich ausgelacht. Aber ich habe letzten November die Insel wirklich zu schätzen gelernt, die für mich bisher immer nur Ballermann bedeutet hätte. Aber dies sind rund 2 km einer Strandpromenade in der Nähe des Flughafens – wo man übrigens von Flugzeugen kaum etwas mitbekommt. Ansonsten hat die Insel so ziemlich alles zu bieten, was man von Spanien und dem Mittelmeer erwartet – bei meiner Wohlfühltemperatur von über 30 Grad. Was soll man also sagen, wenn es um den Wetterbericht geht? Es gibt ihn, aber den lass ich einfach weg … oder eigentlich doch noch, denn bis ich ankam, war es so um die 30 Grad. Und nachdem ich da war, wurden bis zu 40 Grad gemessen. Hier war gestern schon die Hölle los, nachdem Spanien im Halbfinale der Europameisterschaften stand. Spanien hat gewonnen und ich kann – ohne dem Rest vorgreifen zu wollen – sagen: Deutschland hatte am Abend die Rückflugtickets gebucht. Danach gab es wieder 80 Millionen Trainer, die genau wussten, wie es anders hätte werden können. Nur wird immer vergessen: Fussball ist ein Spiel und zum Spiel gehört auch Glück.

Die wundervolle Sierra de Tramuntana

Ich habe diesmal eine Tour in die Sierra de Tramuntana gemacht – ein Gebirge mitten auf der Insel mit Pässen bis zu 1.000 Meter hoch. Und wenn man die Landschaft anschaut, glaubt man gar nicht, auf einer Insel zu sein – viel zu unbewachsen sind viele Abhänge. Man muss aber wirklich aus den Touristenmetropolen raus gehen, um die Schönheit des Mittelmeeres kennen zu lernen. Schmale Gassen führen zwischen vielen Obstplantagen hindurch, die mein kleinen Mäuerchen abgegrenzt sind. Wie, als wäre die Zeit hier irgendwann stehen geblieben. Pollenca ist ein schöner Ort, der sich durch die Zeit kaum verändert haben dürfte. Immer noch wird er durch die mächtige Kirche am Plaza Major geprägt, die im inneren so reich verziert ist. Man kann viel über Spanien sagen: Kirchen bauen können sie. Die Spanier verstehen eben zu leben: erst bittet man den lieben Gott um Beistand und dann lässt man sich draussen den Café con Leche gemütlich schmecken. Oder warum gibt es sonst hier vor jeder Kirche (nicht vor der Adjudamenta) grosse Plätze mit Dutzenden von kleinen schicken Cafés? Man muss dann den Aufstieg zur El Calvari machen, einer kleinen Kirche (übrigens wieder mit Café natürlich) auf dem westlichen Hausberg. Wieviele Stufen es sind? Keine Ahnung … jede Menge. Aber man kommt an wunderschönen spanischen Häusern vorbei, liebevoll erhalten und mit viel Mühe sind auch die Gärtchen gepflegt worden. Oben wird man dann mit einem traumhaften Ausblick belohnt: im Norden die Gipfel des Tramuntana und das Mittelmeer, im Nordosten Can Picafort und Alcudia … und im Süden blickt man auf die Weiten, die diese Insel zu bieten hat. Nur im Westen wird der Blick verstellt –  na gut, der falsche Ausdruck, denn auch die Gebirgswand des Tramuntana hat etwas.

Tief in den Bergen versteckt

Nach dem Abstieg ging es dann weiter nach Söller – dem wohl abgelegensten Bergdorf der ganzen Insel. Hinter dem Tramuntana versteckt erreicht man es nur über einen Tunnel – oder den Pass. Ich kann nur den Pass empfehlen – denn die Auffahrt und Abfahrt über die Serpendinen wird belohnt. Die Buchten an den Umkehrungen scheinen fast extra für Photostops gemacht worden zu sein (sind aber wohl eigentlich gedacht als Nothalt – die meisten nutzen sie zum Glück wohl eher für ein Public Viewing). Auf der ganzen Insel gibt es sie nicht, nur hier: eine Strassenbahn. Urig alt und wohl nur noch für Touristen befahren. Aber auch hier sind sie wieder: die engen Gässchen, die höchstens eine Einbahnstrasse erlauben. Wenn überhaupt. Der Platz vor der Kirche ist in Söller nicht ganz so gross. Aber auch hier prägt sie den Ort und auch hier prägen die vielen Cafés davor den Kirchenplatz, die Plaza Constitucio. Und ich muss zugeben: mein Auto hat hier auch ein paar Schrammen abgekommen, als ich beim Zurücksetzen einen hinter mit halten Lkw übersehen habe. Jetzt hat das Auto etwas spanisches Flair – und ich denke, die Versicherung wird es richten.

Zum Baden gehen doch geeignet: Paguera

Und noch hatte ich nicht genug, denn ich war in Paguera verabredet – ein Ort, dem die sonst anmutende Schönheit der Inselorte verloren gegangen ist und der sie durch viele Hotelbauten und Ramschbuden ersetzen hat. Der direkte Weg wäre natürlich einfacher gewesen (der durchs Tunnel), aber wer will den schon, wenn er vorbei an den malerischen Buchten des Westens von Mallorca entlang fahren kann. Man muss es eigentlich gesehen haben, wie das strahlend blaue und kristallklare Wasser die Insel umspült. Ich verweise an dieser Stelle einfach auf die Bilder, die eben mehr sagen als tausend Worte. In Paguera war ich dann verabredet mit einer Internetbekanntschaft (so was soll es heute geben und wenn sie aus dem Internet in die Realität rüberkommen, wird es noch besser). Badetag – der erste seit langem, aber eben nicht an einem der Massenstrände mit den blauen Liegen und den goldenen Schirmchen, sondern einer abgelegenen Bucht. Die Natur verhindert, dass hier alles Lärmende – von lauten johlenden Wasserballspielern bis hin zum Eisverkäufer – aufkreuzen und dies macht es so wunderschön. Und später dann noch lecker Essen – eine Seezunge, die quasi nur für mich gefangen wurde, denn frühmorgens schwamm sie wohl noch munter mit ihrer ebenfalls auf meinem Teller gelandeten Gefährtin im Mittelmeer umher. Die Einzigen, die an diesem Tag übrigens nicht ganz so mitspielten wie sie hätten sollen, war die Nationalmannschaft – aber dies ist eine andere Geschichte. Und so verabschiede ich mich an dieser Stelle nach der ersten Halbzeit.

Mein persönliches Fazit

Es ist mal wieder so, dass ich entgegen allen sonstigen Menschen scheinbar der Einzige bin, der auf Reise regelmässig abnimmt. Aber bei Wärme esse ich einfach deutlich weniger und wohl auch deutlich kalorienarmer – aber gesunder. Aber die spanische Küche ist immer zu empfehlen.

Das andere Fazit ist ein Reminder an meine Jugendzeit. Ich habe wohl seit dem nicht mehr so viele Menschen gesehen, die auch ausserhalb des Strandlebens ihren wohlbeleibten Körper zur Schau stellen. Da ist es ganz egal, ob der Schenkenberg-Typus oder das gestandene Mannsbild – es wird Haut gezeigt. Ich kenne dies noch von zahlreichen Urlaubsfahrten in ostdeutsche Gefilde, nur dort ohne Shoppingmeilen und im November war es wohl doch zu kalt dafür. Aber dies scheint deutsche Urlaubskultur zu sein.

Das dritte Fazit ist wohl eher die Bestätigung eines Klischees. Aber was soll man denken, wenn anscheinend auch ältere Damen in Gruppen nach Mallorca fliegen und sich extra T-Shirts mit der Aufschrift “Mallorca 2012 – Wir habens überlebt” oder anderes drucken lassen … irgendwie scheint der Gruppenzwang schon sehr gross zu sein.

Und was gab es sonst noch an diesem Tag?

  • Der Bundestag debattiert über das Betreuungsgeld – heiss umkämpft und niemand kann so wirklich sagen, warum er dagegen ist.
    Daneben wird auch noch das wirklich wichtige Thema “Rechtsextremismus” im Bundestag aufgerufen. Ob aber die Datenbank eine Verbesserung bei der Bekämpfung bringt, ist eher fraglich.
  • In Brüssel tritt mal wieder ein EU-Krisengipfel zusammen, um den Euro zu retten – aber eigentlich ein paar Staaten vor der Pleite.
  • In Washington D.C. rettet der Supreme Court mit der Gesundheitsreform das wichtigste Vorhaben von U.S.-Präsident Barack Obama, welches somit Zug um Zug in Kraft treten kann.
  • In Serbien zieht mit Überraschungssieger Ivica Dacic ein neuer Amtsinhaber in den Präsidentenpalast ein. Der Spiegel titelt: “nun sind wieder die Kräfte an der Macht, die das Land in den neunziger Jahren in den Bürgerkrieg geführt hatten.” Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die europäische Integration und den Konflikt um das Kosovo haben werden.
    Währenddessen wird in Den Haag Radovan Karadzic schuldig gesprochen, einem der Hauptverantwortlichen für den Völkermord im bosnischen Krieg zwischen 1991 und 1995.

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