Torsten Matzak

Home » Meinung » Wenn Clinton gegen Trump antritt

Wenn Clinton gegen Trump antritt

Gerade für die Republicans wird es gerade eng im Kampf um das Weiße Haus. Wurde Donald Trump anfangs belächelt und man hat ihn als Polit Clown verspottet, so zeigt sich nunmehr, dass der Frust am Washingtoner Establishment unter den republikanischen Wählern besonders groß ist. Ob die Wähler ihn am 5. November 2016 wirklich in das Oval Office wählen würden, ist eine andere Geschichte. Ob dem Establishment der Republicans haben sie einen gehörigen Schreck eingejagt.

 

Acht Jahre nach dem ersten Anlauf …

… könnte sich für Hillary Clinton dagegen der Traum von dem Platz, den ihr Gatte einst innehatte, verwirklichen. Noch im Januar und nach den ersten Vorwahlen sah es kurzzeitig so aus, dass auch die Democrats den Versuch unternehmen, durch einen extrem (links) stehenden Kandidaten auszutesten, wieweit sie die politische Verdrossenheit umsetzen können.

Clinton hat jedoch den Turn around geschafft. Bernie Sanders, ein langjähriges Mitglied des Kongresses in D.C., hatte jedoch auch hier, die zwar populär, aber auch ebenso verhasst ist, in den ersten Wochen ein Deja vu bereitet. Es waren auf demokratischer Seite vor allem die Enttäuschten mit der Regierung Clinton, die Sanders, aber nicht seinen Kurs, unterstützt haben. Obama, in dessen erster Amtszeit Clinton Außenministerin war, hatte zu viele Versprechungen nicht eingehalten, für die er gewählt war und für die auch Clinton gestanden ist.

Clinton konnte das Ruder noch einmal herumreißen, was aber auch daran lag, dass Iowa und New Hempshire zwar den Auftakt machen im vierjährlichen Rennen um das Weiße Haus. Aber die Schlacht anderswo geschlagen wird. Und die großen Staaten sind bei weitem nicht so experimentierfreudig wird die beiden Nordostküstenstaaten. Clinton kann in der demokratischen Wählerschaft auf eine solide Basis vertrauen, die sie im Juli schließlich zur Anwärterin als erste Hausherrin im Weißen Haus machen werden.

 

Donald Trump vom Polit Clown zum Kandidaten

Vollkommen anders sieht die Situation auf der anderen Seite des politischen Lagers aus. Die Republicans waren von Beginn der Presidential Campaigns gespalten wie nie und gingen mit teilweise mehr als 20 Kandidaten in das Rennen. Donald Trump, Milliardär und Bautycoon, rollte schon früh das Feld auf. Dadurch, dass er auf alle Wahlkampfspenden verzichtete, war er auch nicht mehr auf Rücksichtnahme gegen einzelne Gruppierungen angewiesen. Insbesondere entzog er sich der Kontrolle der republikanischen Parteiführung, die sich teilweise offen gegen den Populisten stellte.

Trump erreichte mit seinen Parolen gegen eine Affirmation Policy, eine Schließung der Grenzen der USA für Einwanderer und seine Attacken gegen Muslime eine hohe Popularität. Er griff damit Ängste in der Bevölkerung auf – ohne, dass er damit auch Antworten lieferte. Dies jedoch viel weniger auf und seine Gegenspieler im eigenen Lager waren gezwungen, mitzuspielen und vergaßen, dem Populisten die Maske abzuziehen.

Jeb Bush, der Kandidat des Establishments, musste bereits frühzeitig erkennen, dass seine Kandidatur auf tönernen Füßen stand. Denn mit dem „Handicap“, der Bruder eines der unbeliebtesten Präsidenten der U.S.-Geschichte zu sein und dem Populisten Trump an seiner Seite, konnte er nicht durchdringen. Seine eigentlichen Stammwähler, die Hispanics, wählen zudem traditionell eher demokratisch – und so musste er bereits nach der dritten Vorwahl in South Carolina das Handtuch werfen.

Für die Republicans wird es mit einer sich abzeichnenden Kandidatur Trumps schwer, wirklich in der Mitte der Gesellschaft Fuß zu fassen. Seine Positionen sind nicht nur bei den sogenannten Minderheiten nicht vermittelbar, sondern auch bei weiten Teilen der weißen Wähler in allen Bundesstaaten. Diese hatten sich noch auf die Tea Party eingelassen – aber nachdem deren Rezepte keine Erfolge zeigten, werden sie dies nicht noch einmal tun.

Trump wird deshalb ein Kandidat ohne Land bleiben. Er wird formal wohl im Juni auf den republikanischen Kandidatenthron gehoben werden und dann auch mit seinen Selfmade-Millionen allein bleiben – und die republikanische Partei den Wahlkampf bereits frühzeitig verloren geben. Im November wird sie vielmehr alles daran setzen, auf Governors-Ebene und im Kongress ihre Macht auszubauen und dort ein wirksamen Gegengewicht zu Hillary Clinton zu institutionalisieren.